Historie der Kotäckerle Birne

Das Kotäckerle ist eine echte Lokalsorte, die in Nußloch seit ca. 1900 bekannt ist.

Es wird vermutet, dass der Sämling durch Wildbirnenkerne entstand, die zusammen mit
dem ausgebrachten Trester, auf den sog. Kotäckern in dem nördlichen Bereich von Nußloch, zufällig entstanden ist.
Im Reifezustand, ungefähr ab Mitte August, ist die kleine Birne goldgelb und pflaumengroß.
Die Ernte erfolgt nicht an einem Tag, je nach Reife, fallen die Kotäckerlen ca. drei bis vier
Wochen vom Baum und müssen täglich aufgelesen und weiterverarbeitet werden. Dementsprechend sind die Fruchtmengen pro Tag gering, und es ist auch nicht selbstverständlich, dass jährlich genügend Obst anfällt.

Damals war das Kotäckerle für die Nußlocher Bevölkerung eine universelle Obstfrucht:
man genoss es frisch, eingekocht als Koch- oder gedörrt als Backobst.
Außerdem wurde daraus ein sehr wohlschmeckender Schnaps gebrannt.

Vor dem 2. Weltkrieg soll es im gesamten Ort ca. 150 Bäume gegeben haben. Danach geriet das Kotäckerle aber sehr schnell in Vergessenheit. Der Baumbestand wurde durch die Bautätigkeit innerhalb des Ortes drastisch reduziert. Erst im September 1989 im Zusammenhang mit der Einweihung des Nußlocher Obstlehrpfades am südlichen Ortsrand, dachte man wieder an das Kotäckerle.
Zu dieser Zeit suchte man und fand leider nur noch einen Restbestand von vier großen alten Bäumen in Nußlocher Hausgärten.

 

Kotäcker aus alter Nusslocher Karte

 

Werner Schlecht, Mitarbeiter der Gemeinde in der Gärtnerei in Nußloch, veredelte als erster 15 Bäumchen aus Reisern der letzten alten Kotäckerle-Bäume.
1991 waren diese ca. 2,50 m hoch, einer davon wurde dann auf dem Obstlehrpfad in Nußloch gepflanzt.
Später veredelten noch Obst- und Gartenbaubetriebe sowie der „Arbeitskreis Heimat, Natur und Umwelt, Bad Schönborn e.V – AHNU“ aus Nußlocher Reisern neue Kotäckerle-Bäume.
Zu finden sind diese Exemplare mittlerweile auf dem „Obst-Gen-Garten“ Bad Schönborn, der im Jahre 2001 eröffnet wurde.
Diese weitläufige Anlage mit 200 Obstbäumen verschiedener Sorten steht unter Federführung von Herrn Erwin Holzer, dem Vorstand des AHNU.

www.ahnu-bad-schoenborn.de/Aktuelles.htm

 

Ein weiteres Exemplar davon befindet sich auch auf der Streuobstwiese „Pamona Palatina“ des Golf Clubs in St. Leon-Rot.
Im Rahmen einer Patenschaft mit den beteiligten Städten und Gemeinden wird mit dieser Streuobstwiese Heimatgeschichte und Landschaft verbunden.

Das Kotäckerle steht dort für die Lokal- und Regionalsorte der Gemeinde Nußloch und ist damit auch ein Beitrag der Biodiversität bei alten Streuobstsorten.

Um auch Ihnen das aktuelle Vorhaben vom BUND Guldental, der sich in der Nähe von Bad Kreuznach befindet, nicht vorzuenthalten, sollte es hier an dieser Stelle erwähnt werden. Denn dort hat das Erhalternetzwerk des Pomologenvereins ca. 500 verschiedene Obstbäume auf Streuobstwiesen gepflanzt, darunter befindet sich auch das Nußlocher Kotäckerle.

www.bund-guldental.de

 

 

Heute, im Jahre 2020, existieren nur noch ganz wenige große Kotäckerle Bäume, der größte davon steht im Garten in der Beethovenstr. 11.
Seit 1960 ist dieser, mittlerweile über 100 Jahre alte Baum, in Besitz von Kurt Schwabke
– meinem Großvater -, der es damals schon verstand aus den kleinen runden Birnen einen guten Schnaps zu machen. Nach seinem Tode übernahm meine Mutter diese Aufgabe und seit einigen Jahren, bin ich – Philipp Schlör – in die Fußstapfen meines Großvaters getreten und freue mich mit viel Liebe und Sorgfalt diese Tradition, in dritter Generation, weiterführen zu können.

 

 

 

Quelle:

u.a. RNZ Artikel vom 26./27.10.1991, verfasst von dem bekannten Nußlocher Heimatkundler Herrn Heinrich Schmidt, mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung vom 24.03.2015. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Herrn Heiner Schmidt für sein Engagement in dieser Sache.